Beiträge von u2112

    ... so, einen habe ich noch ;) : Diese Uhr ist jetzt streng genommen keine Cousteau, teilt aber mit diesen Uhren das Gehäuse und das Design-Konzept und gehört für mich deshalb in diese Reihe - außerdem haben wir je gerade im anderen Faden den Nach-Nachfolger am Wickel, da passt das ganz gut.


    Die Aquatimer-Generation von 2004 fand ja 2009 ihre Ablösung durch die Ref. 3568, 3767 etc. - vor dem Modellwechsel gab es aber nochmal eine Neuheit in einer ganz kleinen Auflage und zwar die IWC Aquatimer Chronograph "Boesch" Ref. 3782-04. Diese Uhr ist durchaus selten, denn die Limitierung lag bei 300 Stück und ich bin mir nicht sicher, dass die wirklich alle gebaut und verkauft wurden.


    Was ist der Hintergrund für diese Uhr? Bekanntermaßen ist ja die Schweiz eine führende Seeemacht, von Genf aus stechen z.B. die Container- und Kreuzfahrtriesen der MSC in See (immerhin die zweitgrößte Reederei der Welt). Nun sind deren Schiffe etwas unpraktisch für die lokalen Binnengewässer (Stichwort: Wendekreis, Bremsweg), deshalb gab es Bedarf für etwas handlichere Boote, die gerne etwas schicker und teurer sein dürfen. Nun ist der Markt für richtig nette Yachten ja fest in der Hand der flachländischen Küstenbewohner - Lürssen, Abeking & Rasmussen, Nobiskrug und für Kleinkram und Segler die Holländer bzw. Italiener.


    Da blieb also nur der Markt für kleine Binnenschiffer, Runabouts und Tender. Dabei hat auch der Laie vielleicht einen Namen im Kopf oder zumindest ein Bild vor Augen: Riva. Die Mahagoni-Boote der frühen Nachkriegszeit sind vielleicht DAS Symbol für die originale Generation des "Jet Set". Wunderschöne Boote (und das sage ich als überzeugter Segler), die auch heute noch gehandelt werden wie Gold. Warum? Die klassische Eleganz ist unerreicht und leider werden diese Boote nicht mehr gebaut. Riva ging Anfang der 2000er in der Ferretti Gruppe auf, welche zwar die Marke weitergeführt hat - aber das Produktportfolio hat sich deutlich verändert. Zwar gibt es noch ein paar klassische Runabouts, die sind aber inzwischen alle aus GFK. Dazu werden inzwischen auch eher gruselige 08/15 Semi Customs unter dem Markennamen verkauft. Das ist alles nicht mehr das, was es einmal war...


    Aber: Es gab ja noch einen Schweizer Konkurrenten, der lange im Schatten von Riva stand, aber heute zumindest bei Holzbooten die Italiener abgelöst hat: Boesch. Die Firma vom Zürichsee ist deutlich jünger als Riva, werkelt aber auch schon seit 1920 im maritimen Bereich - entsprechend wird dieses Jahr das 100jährige Firmenjubiläum begangen, deshalb auch die aktuelle IWC Edition, zu der es übrigens auch das passende Boot gibt (Century Edition):


    https://boesch.swiss/


    Boesch baut auch heute noch Boote aus Holz, wobei sich der Bootsbau natürlich drastisch verändert hat. Auch gibt es inzwischen sogar Elektroboote, was insbesondere auf kleineren Seen natürlich für alle Lärmgeplagten eine langersehnte Innovation ist.


    Boesch operiert auch klar im sehr gehobenen Segment, die bauen keine 10.000 Euro Joghurt-Becher, sondern man liegt da schon im Preissegment einer gepflegten Immobilie (allerdings nicht am Zürichsee ;) ).


    Für IWC war das also ein durchaus naheliegender Partner (im Wortsinne) und auch die Aquatimer macht als Kollektion Sinn. Optisch orientiert sich die "Boesch" an den Booten, also dunkel-braun mit weißen Highlights, dazu kommt auf der Rückseite die Schraube auf einer Holzplakette. Auch die zugehörige Box ist ganz nett und nimmt innen ein klassischen Decksdesign auf.


    Gekostet hat die Uhr damals Liste 6.100 Euro am Kautschukband, das ebenfalls dunkelbraun ist. Ein Stahlband musste man extra bestellen - davor bin ich noch zurückgeschreckt, werde es aber wohl mal machen müssen.


    Nach so einer Einleitung braucht es Bilder, damit man sich selbst einen Eindruck verschaffen kann:














    Und nochmal die Rückseite:




    Und schließlich noch ein Bild von der Box...



    ... das auch die Quelle meines Exemplars offenbart ;) .


    Das war also der Abschluss der 2004er Aquatimer und der 44mm Gehäuse-Variante - durchaus gelungen, wie ich finde. Mir persönlich gefällt diese erste Edition auch besser als die beiden Nachfolger, wobei ich die 2020er noch nicht live gesehen habe.


    Aber auch für die erste Boesch hat es mehr als 10 Jahre gebraucht, bis sie den Weg zu mir gefunden hat...


    Gruß,

    Christian

    Klasse, Wilhelm :gut:


    Ich drücke die Daumen, dass alles glatt geht beim Versand. Ich hatte meine Octo ja auch in Japan gekauft, das ging erstaunlich problemlos (auch die Zollabwicklung).


    Gruß,

    Christian

    Sehr spannend, Heiko :gut:


    Die Feile auf den Fotos macht mich allerdings etwas nervös :eek: - aber die Bänder sind tatsächlich am Anstoß teilweise sehr steifig, da geht es wohl nicht anders.


    Eine Sache (und dazu passt die Feile) habe ich allerdings noch nicht verstanden: Bei der Bi-Color sind doch eigentlich auch die gehäuseseitigen Anstöße vergoldet, quasi als Brücke zu den goldenen Mittelglieder - hier ein Beispiel von Häffner:


    100000495452_1_1.jpg


    https://www.watch.de/germany/i…rtifikat-uber-14-000.html


    Man sieht auf dem Foto schon, wie dünn das aufgetragen und dadurch teilweise schon abgerieben ist. Wie war das bei Deiner - hatte die auch so eine Vergoldung auf dem Gehäuse?


    Gruß,

    Christian

    ... wie bei jeder Cousteau-Generation bisher, gefällt mir auch diese wieder besser am Stahlband :gut: - das ist einfach cleaner und bringt das Zifferblatt noch besser zur Geltung.


    Ich habe am Wochenende auch die Racer mal wieder angelegt. Keine Uhr für dünne Handgelenke, aber optisch und technisch absolut top :lupe:






    Gruß,

    Christian

    ... und wo ich gerade bei Preisen bin auch mal eine gute Nachricht:


    IWC scheint für Deutschland die Preise entsprechend der Mehrwertsteuer-Senkung angepasst zu haben - z.B. kostet die neue Portugieser Automatik 40 nun 7.000 Euro (statt 7.200) und der neue Portugieser Chrono 3716 kostet 7.650 Euro (statt 7.850 Euro).


    Das ist doch schon mal was, gerade bei solchen neu vorgestellten und auch tatsächlich beim Konzi verfügbaren Modellen.


    Gruß,

    Christian

    Jetzt ist die neue Boesch auch auf der Webseite:


    https://www.iwc.com/de/de/watc…matic-edition-boesch.html


    Der Preis ist mit 11.500 Euro echt happig, gerade im Vergleich - die Cousteau kostet 5.300 Euro, selbst die limitierten Flyback-Chronos liegen zwischen 10k-11k. Die 100 Käufer muss man erstmal finden - vielleicht wäre eine höhere Auflage und ein niedrigerer Preis doch eine bessere Idee gewesen?


    Gruß,

    Christian

    Hallo Jürgen,


    die Referenz gab es, gebaut ca. Mitte 1960er bis Anfang 1970er Jahre. Der Durchmesser ohne Krone ist 36,5mm, also vergleichbar mit einer IWC Yacht Club. Interessanterweise wird die Uhr in der inoffziellen Liste der IWC-Referenzen bis 1974 nicht aufgeführt, es gab sie aber definitiv - hier ist sie im Katalog von 1966:



    Vermutlich war sie damals nicht so ein Bestseller, da sie relativ groß war und damit in direkter Konkurrenz zur Ingenieur 666 und später zur Yacht Club I stand.


    Zudem dürfte dem normalen Verkäufer heute schwer fallen, die richtige Referenz herauszufinden - entsprechend oft wird die Nummer in Verkaufsbeschreibungen fehlen und dann findet man die Uhr auch nicht.


    Hier gab es aber noch eine Japan, da war auch ein Stammbuchauszug mit dabei:


    http://catalog.oldtimes.jp/2010/06/198000.html


    Diese Uhr ist von 1970. In meinem Katalog von 1972 wird die Referenz nicht mehr aufgeführt.


    Gruß,

    Christian

    Von den genannten Uhren hatte ich auch schon verschiedene im Blick:


    Vulcain:

    Hier habe ich auch wie der TikTak Christian die Cricket Nautical, bei mir allerdings in der schwarzen "Heritage" Version - die trage ich gerne, auch im robusten Einsatz. Durch den fehlenden Sekundenstopp ist da für mich die Ganggenauigkeit nicht so sehr im Fokus. Der Wecker ist laut und lang, die Leuchtkraft und damit die Nachtablesbarkeit aber sehr mäßig - das ist aber bei der normalen Version, gerade mit dem weißen ZIfferblatt, etwas besser.


    Die Extreme hätte ich vor vielen Jahren fast mal gekauft, als Tourneau einen großen Ausverkauf der Marke hatte. Auf Fotos fand ich sie sehr überzeugend, da gab es ja diverse Varianten (auch in schwarz, in bunt, noch dicker/wilder), aber am Arm hatte sie mich nicht ganz überzeugt. Was mich dabei noch abschreckt, ist die aktuelle Lage des Unternehmens: Auf der Webseite ist aktuell nichts mehr zu sehen und gerade bei extrem seltenen Uhren wie der Extreme hätte ich deshalb Bedenken bezüglich Service und Teilen. Hier im Norden gibt es zwar zwei Uhrmacher, die explizit Vulcain revidieren, aber die Teileversorgung ist grenzwertig. Z.B. hat die Extreme ja ein besonderes Band, das man sicher mal wechseln muss - selbst bei der Nautical war das ein absolutes Abenteuer. Das ging nur per Vorkasse an den süddeutschen Service-Uhrmacher, dauerte dann monatelang und die hatten auch keinerlei Kontakt/Infos zwischenzeitlich. Da würde ich auf jeden Fall vorher mal ganz genau klären, wie die Lage ist. Wäre der Laden stabiler, hätte ich da vermutlich schon 1-2 Uhren mehr gekauft...


    Eterna:

    Im Prinzip das gleiche Spiel wie bei Vulcain - die Firma ist eine Katastrophe, die Uhren eigentlich ganz cool. Da die Preise absolut im Keller sind, schleiche ich da auch um verschiedene Modelle. Aber auch hier hält mich das Service-Thema zurück. Das Werk der Diver ist dabei nicht das Problem, das kriegt man laut Eterna-Konzi alles hin. Schwierig werden wieder Sachen wie das Band oder mechanische Teile (Schließe, Drücker etc.) - da ist Eterna eine Vollkatastrophe und nach allem, was ich mitbekommen habe, wäre das kein Laden, wo ich eine Uhr hinschicken würde (die sieht man mit Pech nie wieder). Das muss man also alles irgendwie vor Ort hinkriegen können. Ich hatte übrigens die Kontiki Royal GMT in silber im Blick - vielleicht noch eine Alternative mit dem hellen Blatt?


    IWC:

    Die habe ich in der schwarzen Version, hatte ich hier mal umfassender vorgestellt:

    (Wieder-)Einstiegsdroge - IWC Aquatimer 3290

    Da die Fotos wohl nicht mehr sichtbar sind (oder seht ihr die noch?), hier nochmal ein paar Impressionen:







    Hat mich positiv überrascht, gerade im Sommer am Kautschuk eine Uhr, die ich sehr gerne trage - sogar lieber als am Stahlband (das finde ich etwas fader als bei den Vorgängern). Entsprechend würde ich die silber-weiße Version auch nur am Kautschuk nehmen, damit etwas Kontrast reinkommt. Mit dem Stahlband ist die Uhr zu blass für meinen Geschmack.


    Wenn es ein helles Blatt sein soll, würde ich auch nochmal den Vorgänger ins Rennen werfen:



    Oris:

    Hat auch viele ganz gut aussehende Modelle, wobei die am Arm z.T. recht "bullig" wirken. Mein aktueller Favorit wäre diese hier:


    Oris-Aquis-Lake-Baikal-Limited-Edition-introducing-733-7730-4175-7.jpg


    Oris-Aquis-Lake-Baikal-Limited-Edition-introducing-733-7730-4175-6.jpg


    https://monochrome-watches.com…dition-introducing-price/


    Sehr schönes Blatt, schöner Boden und ein fairer Preis.


    Gruß,

    Christian

    So, nun ist es doch auch gut mit dem Thema - wegen solcher inhaltlicher Details muss sich hier niemand in die Haare kriegen. :opa:


    Schon gar nicht in der Urlaubszeit, wenn wir die Wassertauglichkeit von Uhren lieber empirisch auf die Probe stellen sollten - also: ab auf die Yacht bzw. in den Badetümpel.


    Es gibt übrigens auch Portugieser-Modelle, bei denen über die Schwimmfähigkeit keine unterschiedliche Ansichten bestehen - nämlich die wenigen modernen Modelle, die eine blanke Krone haben:






    Die berühmte "Fisch-Krone" wurde in den 1950er Jahren extra eingeführt, damit man auf den ersten Blick sehen konnte, ob die Uhr ein wasserdichtes Modell war. Damals ging es mehr um Handewäschen oder Regengüsse (aber auch Staubschutz), denn viele Modelle mit Pressboden und einfachen Plexigläsern hatten keinerlei Dichtungen - ähnlich wie es bei Taschenuhren auch der Fall ist.


    Bei IWC mit einer Ausnahme, nämlich die Ref. 5215 (TU Ingenieur) - die ist bis 3 bar dicht. Das reicht auf jeden Fall für ein Bad im Wasserglas, wie Heiko C.95 bestätigen kann ;)


    Gruß,

    Christian

    Danke für die Info, Stefan :gut:


    Der Preis ist natürlich ziemlich sportlich - vermutlich tatsächlich der sehr kleinen Limitierung geschuldet. Meine Boesch I gab es 300 mal, die Boesch II (Portugieser Yacht Club) dann nur noch 150 mal und nun sind wir bei 100 Exemplaren. Für Boesch-Käufer kann das natürlich interessant sein, aber so viele Boote verkaufen die ja auch nicht. Ich werde mal abwarten, wie sich da die Verfügbarkeit (und der Preis) entwickeln.


    Passt eigentlich bei der 44mm das Stahlband der "normalen" Aquatimer 3290? Zumindest die Breite am Anstoß ist bei beiden 22mm :lupe:.


    Gruß,

    Christian

    Hmm, eine Aquatimer mit dem neuen Dreizeiger-Werk finde ich schon spannend - aber wie schon bei der Forumsuhr (die für mich aufgrund des Bronze-Gehäuses nicht in Frage kam), bin ich noch nicht ganz glücklich: Die Farbkombination von schwarz (?) in der Mitte und braun außen müsste man eigentlich live sehen, um sie beurteilen zu können (was vermutlich schwer werden dürfte). Vielleicht hätte ein braunes Blatt mit Sonnenschliff besser gepasst?


    Zumindest macht sie das neue Werk spannend, wobei der Preis natürlich interessant wäre - vermutlich ähnlich wie bei der CF 4, also um 9.000 Euro :grb:


    Bis das klar ist, muss ich mich mit dieser hier trösten...





    ... geht auch ;)


    Gruß,

    Christian

    Badehosen und Wassersport - das sind doch mal die passenden Themen für den Sommer:meistertaucher:


    Meine Sicht der DInge:


    - Die Badehosen aus dem Eingangspost sind für beliebig tiefes Eintauchen geeignet, es ist kein Schaden zu befürchten - zumindest solange der Druck von außen kommt...


    - Die Uhr aus der Serie heißt ja nicht "Swim Club", sondern "Yacht Club". Aus meiner zarten Erfahrung als Küstenbewohner wird man im Yacht Club selten naß. Die Ur-Yacht Club war übrigens wesentlich zuverlässiger unter Wasser als die Ur-Aquatimer (die 1812 mit 20 bar hatte viele Ausfälle, die 1816 war trotz 30 bar katastrophal)


    - Auch auf einer "Yacht" im Wortsinne kommt man (hoffentlich) nie ungeplant mit signifikanten Wassertiefen in Berührung, denn dann ist man entweder über Bord gegangen oder die Yacht hatte ein Problem. In beiden Situationen würde ich mir jetzt nicht zu viel Gedanken um die Uhr machen ;)


    - Selbst auf einem (Segel-)"Boot" hatte ich noch nie Probleme mit Wassereinbrüchen, egal mit welcher Uhr (von 5 bar bis 200 bar) und unabhängig davon, ob man als Sieger ins Wasser geworfen wurde oder als Verlierer gekentert ist.


    - Ob eine Uhr dicht ist, hängt nach meiner Erfahrung (und das schließt den Austausch mit "meinen" Uhrmachern ein) eher vom Nutzer ab, nicht so sehr von konstruktiven Aspekten. Mein klassisches Beispiel ist diese Geschichte - trotz bestätigten 100 bar: Nichts für schwache Nerven...


    Am Ende muss da jeder selbst den richtigen Weg finden: Der eine geht lieber auf Nummer sicher und bevorzugt eine absolut unfehlbare Sicherheitsreserve, der andere sieht das lockerer - da gibt es keine universelle Wahrheit.


    Gruß,

    Christian


    P.S.: Die Uhr finde ich übrigens optisch durchaus gelungen und untergegangen ist ja hier, dass das eigentlich Neue aus der Zusammenarbeit das Textilband ist, das man durchaus auch für viele andere Modelle verwenden kann.

    Herbstwetter, 13 Grad, Regen, berichtet die Zeitung mit den vier Buchstaben über den Sommer im Norden - damit ihr euch ein Bild machen könnt: So sieht das Elend hier aus...






    ... passend dazu die trist-graue Uhr ;) .


    Gruß,

    Christian

    zhbbaer : Ja, die Fingerbrücken-Werke sind auch super, gerade im rhodinierten Finish. So ein Kal. 65 (allerdings noch in der älteren, vergoldeten Version) hat übrigens als Kind mein Interesse an mechanischen Uhren geweckt - die alte IWC-Taschenuhr meines (Ur-)Großvaters lag jahrelang bei uns in der Schublade und wurde regelmäßig von mir bestaunt. Die Uhr hatte ich hier mal kurz vorgestellt:


    Wie alles begann: IWC Cal. 65 Taschenuhr


    Wobei das Kal. 65T von Deinen Fotos deutlich seltener ist als die "normalen" Kal. 65/66.





    Gruß,

    Christian

    TomS : Ja, Taschenuhren sind sicher nicht jedermanns Sache - aber gerade ein begrenztes Budget spricht eher für diese Uhren: Es gibt bereits für kleines Geld sehr schöne Exemplare, auch von den bekannten Marken, bei denen man ja sonst immer einen deutlichen Aufpreis zahlen muss.


    Mal ein Beispiel von Omega - das ist jetzt ja nun wirklich kein unbekannter Name: Eine klassisch-elegante De Ville TU wie unten zu sehen, kann man ohne lange Suche für um 100 Euro finden. Das ist jetzt natürlich noch nicht ganz die Top-Liga, was Werk und Gehäuse angeht, trotzdem sieht die schick aus und wenn man ehrlich ist, trägt man die entsprechende Vintage-Armbanduhr auch nur extrem selten. Man hat ja nur Platz für eine Uhr am Handgelenk, da liegen dann bei wachsenden Ansammlungen immer mehr Uhren im Schließfach oder der Schublade - da macht dann die TU z.B. in der Vitrine oder als Schreibtischuhr mehr Freude.





    Auch die Kal. 95/97 Taschenuhren von IWC konnte man in Stahl sehr lange für deutlich unter 1000 Euro kaufen - kleine Lepines in Stahl lagen vor ein paar Jahren sogar eher bei 500 Euro. Werke mit vergleichbarer Qualität findet man in modernen Armbanduhren erst in einer eher fünf- als vierstelligen Preisregion (zumindest was die Listenpreise angeht).


    Selbst bei den absoluten Top-Marken wie PP, VC, ALS oder AP liegen die Preise für exzellente, goldene Taschenuhren ungefähr im Preisbreich der Armbanduhr-Marken aus dem mittleren Segment - da gibt es für 2-3k schon sehr schöne Dreizeiger-Uhren. Selbst Komplikationen wie Minutenrepetitionen findet man ab 3k in Gold, wenn die Marke heute unbekannt ist - wenn es z.B. JLC ist, sind es eher 5-10k, bei Patek dann 10-15k. Das ist natürlich nicht wenig Geld, aber eine Repetition als Armbanduhr ist bis auf ganz wenige Ausnahmen eher im Bereich 100k aufwärts zu finden, also selbst für den Uhrenfreund mit sehr tiefen Taschen eigentlich unereichbar.


    Was natürlich schon stimmt: Gerade bei größeren TU-Sammlungen ist man nicht wirklich liquide, da man solche Uhren nicht wie gängige Armbanduhren verkaufen kann. Der Privat-Markt ist da sehr klein und es gibt nur sehr wenige spezialisierte Händler oder Auktionshäuser, die entsprechend happige Gebühren nehmen. Auch eine besonders vielversprechende Preisentwicklung ist nicht zu erwarten. Andererseits: Taschenuhren haben ja schon mindestens zwei fundamentale Krisen überstanden (den Übergang zur Armbanduhr und die Quarz-Krise), entsprechend gering ist hier das Risiko, dass man einem Hype aufsitzt.


    Ich bin mir nicht sicher, ob die Erben in 50 Jahren auf mechanische Armband-Uhren schauen, wie man heute mitleidig Briefmarken oder Münzsammlungen betrachtet. Bei Taschenuhren ist die Luft schon heute raus, da ist nur noch der Substanzwert nach - der dürfte dann aber auch sehr wahrscheinlich bleiben, da solche handwerklichen Kunstgegenstände ja auch nicht mehr werden, sondern durch Verlust, Einschmelzen etc. eher seltener.


    Aber zurück zur Uhr - ein paar Bilder habe ich noch, weil es so schön war ;) :















    Das Brückenlayout der Kal. 9x finde ich auch deshalb so schön, weil man unheimlich viel vom Werk sieht. Dreiviertel-Platinen aus Glashütte haben natürlich eine große Tradition und funktionale Berechtigung - aber man sieht nichts. Hier kann man wirklich die gesamte Funktion einer mechanischen Uhr nachvollziehen. Deshalb gefallen mir persönlich diese Schweizer Werke (PP hat sehr ähnliche Kaliber) deutlich besser als die meisten klassischen Lange-Uhren.








    Vielleicht ist es auch schon mal jemandem bei Vintage-Uhren aufgefallen - am Gehäuse-Rand findet man Innen öfters Kerben :lupe: . Zumindest bei IWC wurden beim Einschalen hier vom Uhrmacher immer die letzten beiden Ziffern der Gehäusenummer eingeritzt (hier VIIII und I, also 91). So wollte man sicherstellen, dass am Ende die Nummern der Schalen, Deckel und Werke zusammenpassten.



    So, mehr habe ich für den Moment nicht zu bieten :G


    Gruß,

    Christian

    Liebe Uhrenfreunde,


    wir hatten jetzt hier schon länger keine Taschenuhr-Vorstellung mehr - das muss man ändern ;) . Ich bin ja ein erklärter Fan der Kaliber-Familie 9x, die in den letzten rund 90 Jahren in den "modernen" IWC-Taschenuhren verbaut wurden. Von diesen Uhren habe ich in loser Folge inzwischen schon diverse Varianten vorgestellt, eine größere Ansammlung findet sich z.B. in diesem Faden:


    Schicksalsjahr 1974: Als das letzte Kapitel der IWC Taschenuhren begann...


    Im ominösen Jahr 1974 erblickte nicht nur die Ref. 5201 das Licht der Welt, die bis 2007/08 als letzte Lepine-Taschenuhr in der IWC-Kollektion blieb, sondern auch das Savonnette-Gegenstück, die Ref. 5404. Diese löste das Vorgängermodell Ref. 123 ab, das sich bis heute nicht nur bei Sammlern größerer Beliebtheit erfreut, da sie bei Zifferblatt und Werk quasi baugleich mit der Jubiläums-Portugieser Ref. 5441 ist - mal in Bildern gesprochen, damit es nicht so esoterisch wird:




    Entsprechend gerne wird diese Uhr auch bei den üblichen Marriage-Bastlern gesehen.


    In der Ref. 123 war dabei noch die erste Generation des Kal. 98 verbaut, erkennbar an der fehlenden Stoßsicherung:



    Die Ref. 5404 hat dagegen die neue Generation mit Stoßsicherung verbaut, erkennbar u.a. an der neuen Kalibernummer 982. Nicht auf den ersten Blick erkennbar sind die Unterschiede beim Gehäuse - die Ref. 5404 wiegt ca. 25g mehr, was bei einer 18k Uhr natürlich schon einen erheblichen Unterschied beim Materialwert ausmacht.


    Offensichtlich sind dagegen die Unterschiede beim Zifferblatt und Zeigerspiel: Jetzt gibt es deutlich mehr "Lametta", also römische Ziffern und die sehr schnörkeligen Louis XV-Zeiger:






    Dieses Exemplar stammt aus 1979, als die Quarz-Krise IWC fast an den Abgrund geführt hatte und man vor lauter Verzweiflung die Rettung in einer Konzentration auf hochwertige und extrem teure Taschenuhren suchte. Im Jahr der Auslieferung kostete diese Uhr 5.700 DM - zum Vergleich: eine Yacht Club I kostete je nach Version ca. 1.000 DM, eine Rolex Submariner ca. 1.500 DM und selbst ein absolutes Topmodell wie die Ingenieur 1832 schlug nur mit 2.750 DM zu Buche. Da stellt sich schon die Frage: Wer hat denn solche Uhren gekauft?


    Das Schöne bei Taschenuhren ist ja, dass sie meist eine Geschichte haben und man solche Fragen auch heute noch beantworten kann. Gerade die schweren, goldenen Savonnette-Taschenuhren von IWC waren klassische Geschenkuhren. Während "normale" Mitarbeiter mit einer Stahl-Lepine zufrieden sein mussten (entsprechend oft findet man Gravuren zu 25/40/50jährigen Betriebszugehörigkeiten), gab es die goldene Version für den Chef. Die massiven Klopper wie eine Ref. 5450 (mit über 200g (!) Goldgehalt) ging dabei eher an Vorstände und Verwaltungsräte von Großunternehmen, der seriöse Mittelstand begnügte sich mit einer Ref. 5404. Und so war auch diese Uhr ein Geschenk und zwar von den Mitarbeitern anlässlich des 60. Geburtstags des Firmenchefs (und Eigentümers) - das Unternehmen hatte ein paar hundert Mitarbeiter, da konnte man das stemmen. Das Unternehmen gibt es übrigens heute noch und ein Blick in die Bilanzen lässt erahnen, dass der gute Mann sich solche Uhren auch selber kaufen konnte - so fiel die Uhr (wie die Firma) an die Erben, als er im hohen Alter von 99 Jahren verstarb. Die Uhr wurde durchaus getragen, was die kleinen Tragespuren im Plexiglas belegen, die letzten Jahre dämmerte sie allerdings (mit diversen anderen) durchgängig im Tresor. Was schade ist, aber dazu beigetragen hat, dass auch die Box und vor allem die passende goldene Uhrenkette noch vorhanden waren - letztere ist durchaus selten.


    Warum kauft man solche Uhren heute? Rational kann man das als Investment rechtfertigen - nicht weil diese Uhren besonders im Preis steigen werden, sondern weil die Ankaufpreise nahe am Goldwert sind. Und bevor ich mir zu Diversifikation einen seelenlosen Barren irgendwo hinpacke oder gar nur Papiergold ins Konto buche, da nehme ich doch lieber eine Uhr. Zumal - und das ist dann der zweite, nicht mehr ganz so nüchterne Grund - so eine Uhr nicht nur aus einem goldenen Gehäuse besteht. Darin tickt eben auch ein echtes Manufaktur-Werk - und das ist wesentlich schöner anzuschauen als 100 Euro-Scheine :G . Deshalb einfach mal ein ganzer Schwung Bilder vom Werk:





    Wunderschöne traditionelle Schraubenunruh - wer genau hinschaut erkennt oberhalb einen dünnen, gebogenen Metallreif, das ist der Unruhstopp, der beim Ziehen der Krone nach unten gedrückt wird und so den Unruh-Ring blockiert:





    Das Kal. 982 wurde nur von 1967 bis 1973 gebaut, nicht mehr als 3600 Rohwerke sind bekannt. Gut die Hälfte davon wurden für die Jubiläums-Portugieser 1993 verwendet - das zeigt, wie selten diese Taschenuhren sind.




    Hier schön zu sehen die Incabloc-Stoßsicherung, das ist das wappenförmige Messing-Teil auf dem Stein des Lagerzapfens:




    Genfer Streifen sind hier wirklich noch Handarbeit, auch die anglierten und polierten Kanten:



    Hieran erkennt man die Version mit 17 Steinen - das Federhaus hat kein Steinlager, das gibt es nur bei der Version mit 19 Steinen.






    Diese Referenz blieb bis zum Jahr 2000 in der IWC-Kollektion und wurde dann von der fast baugleichen Ref. 5414 abgelöst (die gab es noch weitere 8 Jahre) - die erkennt man an einem etwas schlichteren Zifferblatt und Zeigerspiel, auch sind die Werke dieser allerletzten Generation meist vergoldet und mit 19 Steinen (der Übergang war da aber fließend). Der Hauptgrund für den Wechsel der Referenznummer lag in der Euro-Umstellung - wurden für die Ref. 5404 zuletzt 16.900 DM aufgerufen, sprang der Preis bei der Ref. 5414 dann ein Jahr später auf runde 10.000 Euro. Das war übrigens damals auch exakt der Einführungspreis der Großen Fliegeruhr Ref. 5002 - die war zwar nur aus Stahl, dafür aber ungleich erfolgreicher.


    Von der Ref. 5404 und Ref. 5414 wurden dagegen in den letzten Jahren nur minimale Stückzahlen gefertigt, man munkelt im niedrigen zweistelligen Bereich. Was nicht verwundert, lag doch der Marktpreis gebrauchter Exemplare bei einem Bruchteil (20% und darunter) - das war dann wirklich nur noch für absolute Liebhaber, die sich mal einen echten Luxus erlauben wollten.


    Soweit mal wieder ein kleiner Exkurs in die (fast) vergangene Welt der Taschenuhren :wink:


    Gruß,

    Christian