Mal was anderes: Damasko DC80

  • Liebe Uhrenfreunde,


    Chronographen gehören ja zu den beliebtesten Komplikationen unter Uhrenliebhabern - nicht unbedingt, weil man ihre Funktion im Alltag so unbedingt dringlich braucht, sondern eher weil hier "viel los" ist. Und zwar meist auf der Zifferblattseite wie im Werk.


    Nun gibt es Chronos ja in den verschiedensten Spielarten - Monopusher, Flyback, Rattrapante, Split Minute, 1/10- , 1/100- oder 1/1000-Sekunden etc.


    Im Normalfall eines VJ 7750 muss man dabei die Zeitmessung über verschiedenen Anzeigen hinweg zusammen puzzeln. Die Sekunde aus der Mitte und dann Stunden und Minuten jeweils aus unterschiedlichen Totalisatoren. In den letzten Jahren kamen zudem verschiedene Werke auf den Markt, die einen kombinierten Compteur für Stunden und Minuten haben, z.B. von Patek, IWC oder Omega. Hier mal der Da Vinci Chrono als Beispiel:



    Bei solchen Uhren lassen sich zumindest die gestoppten Sekunden und Minuten sehr intuitiv ablesen und die Zifferblätter wirken sehr schön aufgeräumt. Ein Nachteil bleibt jedoch: Gerade mit zunehmendem Alter fällt es schwer, die relativ kleinen Anzeigen wirklich ablesen zu können.


    Geht es um eine wirklich schnelle und gute Ablesbarkeit der (meist überschaubar langen) Stoppzeit, sind Uhren mit einer Stoppanzeige aus dem Zentrum ungeschlagen. Über Jahrzehnte gab es hier diverse Modelle auf der Basis des Lemania 5100, gerade auch im Bereich der echten Einsatzuhren. Mit dem Auslaufen dieses Werkes wurde das Angebot sehr überschaubar, nur Breguet war hier standhaft am Markt vertreten. Und so fand vor einigen Jahren eine Type XXI den Weg zu mir:



    Ohne Zweifel eine tolle Uhr, aber sie musste dann nach einiger Zeit wieder gehen, da andere Dinge finanziert werden sollten. Auch wenn im Nachhinein betrachtet der Kauf- wie der Verkaufspreis unfassbar niedrig lagen, hat sich ehrlicherweise doch nicht zu viel Wehmut angesammelt. Denn irgendwie passte die Uhr nicht ganz zu mir, vermutlich war da einfach zu viel los auf dem Zifferblatt.


    Im letzten Jahr kam mir dann immer öfter wieder ein solcher Chrono in den Sinn - und sei es zur Vermeidung einer Gleitsichtbrille :lupe: . Inzwischen hatte sich am Markt durchaus etwas getan - Breguet ist immer noch da, allerdings preislich jetzt weit davon gezogen. Und die deutschen Anbieter hatten plötzlich passende Angebote:


    Tutima hatte sich auf die alte Lemania 5100-Tradition besonnen und mit der M2 eine moderne Interpretation gewagt https://tutima.com/de/uhren/m2/ . Bei der Uhr überkam mich allerdings wieder das Breguet-Gefühl - einfach zu viel los. Funktional alles sicher sinnvoll, aber 4 Zeiger aus der Mitte, dazu nochmal 2 dezentral und das Datum und ordentlich Farbe - nicht so meins, was auch für die Gehäuseform gilt.


    Dann gibt es natürlich Sinn, die mit dem SZ01 auf VJ 7750-Basis an den Start gingen. Das Werk kam dann in einem Remake der legendären EZM 1 auf den Markt, der EZM 1.1 https://www.sinn.de/de/Modell/EZM_1_1.htm . Die gefiel mir schon deutlich besser (sowohl im Original wie in der neuen Version), da deutlich cleaner und auf die wesentlichen Funktionen reduziert. Aber auch nicht perfekt: Die Drücker links trägt sich bei mir nicht so gut, rot ist ok aber nicht mehr, und die Höhe der Uhr ist nicht ohne. Die Überlegung hatte sich dann auch schnell erledigt, da die Uhr trotz des nicht schüchternen Preises von 4.850 Euro schnell ausverkauft war.


    Aber es gab noch einen dritten Anbieter, den ich bis dahin nicht wirklich ernsthaft in Betracht gezogen hatte: Damasko. Bekannt war mir die Marke eigentlich nur durch den Forenspott über das "in Kürze" verfügbare "Manufaktur-Stahlband" - ab und an hatte ich mir mal einzelne Modelle angeschaut, aber gerade bei den Chronos gefiel mir die eher unorthodoxe Datumsposition nicht wirklich. Das änderte sich jedoch mit dem DC80 Chrono, der alle Anforderungen erfüllte: Sekunde und Minute aus der Mitte, sehr cleanes Blatt, schwarze Lünette (hier in der Countdown-Version) und ein sehr technisches Design - das sicherlich Anleihen bei Sinn nimmt, aber doch noch eigenständig genug ist. Das Werk CS51-1 basiert ebenso wie bei Sinn auf dem VJ 7750, nur hat man hier auch das Datum weggelassen (zumindest im ersten Anlauf) - das ist kein Nachteil, da die Datumsposition der EZM 1.1 auch nicht ganz mein Favorit ist.


    Die Uhr ist in den Ausmaßen ähnlich wie die EZM 1.1 mit einem Durchmesser von 43,3 mm (an der Lünette gemessen) und Lug-to-Lug von gut 50mm. Ein wesentlicher Unterschied ist die Höhe, wo die DC80 mit 13,9mm deutlich flacher ist (u.a. durch das plane Glas).


    Inzwischen gibt es die Uhr in diversen Varianten: Schwarz, mit komplett schwarzer Lünette/schwarzen Drückern ("bicolour") oder in der schlichten Stahlversion. Dazu kommen noch mindestens 4 Farbvarianten (weiß, grün, gelb, orange - auch eine blaue habe ich schon gesehen). Und dann natürlich die Wahl zwischen Textil/Lederband und dem berühmten "Manufaktur-Stahlband" - da ist also für jeden was dabei...


    Ich habe mir die Uhr über ein Jahr immer mal wieder angeschaut und habe mich am Ende für diese Variante entschieden https://www.damasko-watches.co…s-der-mitte/76/dc80-green . Das Grün ist sicher nicht für jeden, aber mir gefällt es ganz gut und ohne so einen Farbakzent fand ich die Uhr etwas zu eintönig. Denn optisch steht sie in der Tradition einer IWC 3536 TI oder Tudor Pelagos, also wirklich kompromisslos schlicht, was die optischen Effekte angeht.


    Wie es bei solchen "Randgruppenuhren" so ist, hatte der Gebrauchtmark nicht viel zu bieten - eine einzige gab es mal in den Foren, aber falsche Farbe und ohne Stahlband. Deshalb musste ich tatsächlich mal wieder neu beim Konzi kaufen (passiert mir nicht mehr so oft). Der erste Eindruck: hat sich gelohnt! Die Uhr gefällt am Arm sehr, trägt sich gut und auch das Werk tut, was es soll. Der Minutenzeiger wandert bündig und die Ganwerte liegen minimal im Plus - da es ja keine laufende Sekunde gibt, lasse ich den Chrono einfach mitlaufen.


    Und hier endlich ein paar erste Bilder...






    Wenn man bedenkt, was für ein kleiner Laden Damasko ist, dann ist das schon eine ziemlich beeindruckende Uhr :gut:


    Gruß,
    Christian

  • Viel Freude mit der Uhr, auf den ersten Blick sieht sie optisch aus wie aus Titan oder die tegimentierten Modelle von Sinn.
    Ist mal was anderes als immer poliert/gebürsteter Bling-Bling.


    Die Armbandschrauben gefallen mir ebenfalls, sieht richtig nach Tool-Watch aus :gut:

    Gruß Daniel (bekennende "polishing-cloth-Pussy") :G


    Aktuelle Uhren in der Box:
    Omega Aqua Terra >15.000 Gauss / Omega Speedmaster Moonwatch
    Rolex Submariner 114060 / Tag Heuer Aquaracer 300m

  • Moin Christian.


    Danke für den tolle Bericht, und meinen Glückwunsch zur Damasko. :blume:


    Für diesen "kleinen" Hersteller ist das eine beeindruckende Uhr.


    Und ja, im Alter achtet man mehr und mehr auf die Ablesbarkeit. :opa:

  • ... danke, danke :wink:


    Nachdem es oben ein wenig textlastig war, jetzt endlich noch ein paar mehr Bilder von der Uhr:




    Das Glas ist absolut plan, das Band setzt sehr tief an - und die Spaltmaße haben tatsächlich Piech-Nievau ;) :



    Das Gehäuse ist wirklich sehr sauber gearbeitet:




    Hier sieht man die Schichtung der Zeiger - Stoppminute, Stunde, Minute, Stoppsekunde :lupe: :



    Beim Boden hat man den Wettbewerb eng im Blick - der Zifferblatt-Texter der Pelagos hat hier nochmal einen draufgelegt :G



    Mit scharfem Blick sieht man auch, dass die Uhr bisher eher ein exklusives Vergnügen ist (gezählt wird wohl über alle Varianten hinweg) :lupe:




    Die grünen Akzente finde ich ganz erfrischend - Blatt und Zeiger sind dabei komplett matt:




    Die Bilder zum Band kommen nochmal extra - durch meine blöden Google-Links komme ich hier immer ans Zeichen-Limit...


    Gruß,
    Christian

  • Sowohl die Chrono-Sekunde als auch die Chrono-Minute laufen normal im Uhrzeigersinn - die Lünette ist bedruckt im "Countdown"-Format, d.h., man kann sie nach links und rechts drehen und die Skala so verwenden, dass die verbleibende Zeit zu einem Ereignis (Start, Abflug, Garzeit etc.) angezeigt wird. Dabei orientiert man sich am normalen Minutenzeiger - man dreht die gewünschte Anzeige auf die Position des Minutenzeigers, dann zählt er runter.


    Beispiel: Es ist 14.23 Uhr, man schiebt den Braten in die Röhre und der braucht 50 Minuten. Dann dreht man die Lünette solange nach rechts, bis die "50" auf der Position des Minutenzeigers ist. Dann kann man danach immer sofort ablesen, ab das Ding noch 43, 35 oder 22 Minuten im Ofen bleiben muss - um 15.13 Uhr steht der Minutenzeiger dann auf der 0.


    Man kann das Teil theoretisch auch als Stundenzähler nehmen, wenn man die Lünette bei jedem Umlauf der Stoppminute eine rastung nach rechts dreht - dann sieht man auf der 12 die Anzahl der gestoppten Stunden.


    Ob das jetzt sinnvoller ist als eine 12er Skala oder eine normale 60 Minuten Lünette, wie man sie von Tauchern kennt? Vermutlich nicht wesentlich, aber einfach ein anderes Prinzip.


    Gruß,
    Christian

  • Den Herrn Damasko hab ich vor ein paar Jahren mal persönlich kennengelernt, ganz jenseits des Kontextes seiner beruflichen Tätigkeit, ich kannte seine Firma auch, ehrlich gesagt, nicht. Ein sehr angenehmer Zeitgenosse. :gut:
    Meinen persönlichen Geschmack treffen die Uhren nicht unbedingt, die Firma wollte ich mir aber immer gerne mal ansehen, ist ja nur ein paar Kilometer von mir entfernt.
    Vielleicht wird das ja doch nochmal was...

  • Wie gesagt, vor der DC80 war in der Kollektion auch nicht so wirklich was für mich dabei - aber das habe ich bei anderen Marken auch schon gehabt, dass am Ende nur 2-3 Modelle in Frage kommen und man mit dem Rest nicht viel anfangen kann.


    Hier wie versprochen nochmal ein paar Bilder zum Band - das "Manufakturband" hat ja etwas gebraucht, bis es dann endlich auf den Markt kam. Qualitativ ist es durchaus überzeugend. Die Optik liegt irgendwo zwischen den massiven Fortis-Bändern und den neuen IWC-Fliegerbändern. Schon sehr wertig und massiv gemacht, da gibt es keine scharfen Kanten oder Grate.



    Eine Besonderheit ist der sehr tiefe Ansatz des Bandes, wodurch es quasi keine Lücke zwischen Hörnern und Arm gibt und das Band sehr satt am handgelenk liegt:



    Die Schließe ist komplett verdeckt, wodurch man nicht so leicht irgendwo hängenbleiben kann.



    Die Schließe selbst hat die klassische Butterfly-Form:



    An jeder Seite sitzen zwei Keramikkugeln, die dann mittig einrasten:




    Das sitzt bombenfest und braucht gerade zu Anfang durchaus einiges an Kraft, um das Band am Arm wieder zu lösen - da darf man nicht zu schüchtern ziehen.


    Die Bandglieder sind durch U-förmige Titanstifte verbunden, die auf der Gegenseite durch Torx-Schrauben (Größe T6) gehalten werden. Im ersten Moment fand ich das etwas nervig, da die normalen Dreher nicht passen - in der Handhabung haben die Torx-Schrauben tatsächlich aber Vorteile, da man nicht verrutscht und so die Gefahr geringer ist, Schrauben oder Bandglieder zu vermacken. Ein passender Dreher wird mitgeliefert, wobei ich einen etwas größeren Dreher mit Drehkappe benutze (Wera 2067).




    Da ich beim Kürzen die Bilder vergessen habe, hier mal ein Fremdfoto aus dem Sinn-Forum:



    (c) Dave / https://sinn-uhrenforum.de/index.php?page=Thread&postID=135657#post135657


    Fazit: Das Band ist nicht billig, aber die Qualität passt zum Preis. Durch die kurzen Bandglieder lässt sich auch die Länge gut einpassen, zumal es noch eine Zwischengröße für die Feineinstellung gibt. Und es wird eben tatsächlich bis hin zu den Schrauben komplett inhouse gebaut - das ist ja heute durchaus bemerkenswert.


    Gruß,
    Christian

  • Ich find die Uhr Mega :gut:


    Das Armband, die Verarbeitung etc. sieht alles sehr wertig und sauber verarbeitet aus...


    Ich wünsch dir viel Freude mit der Guten und allzeit gute Gangwerte... :gut: