"Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden" - Teil 2

    • "Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden" - Teil 2

      Threadstarter

      Liebe Uhrenfreunde,

      nachdem auch im Norden endlich der Frühling Einzug gehalten hat (nach einem Ostersonntag mit 30cm Neuschnee :schock: ), findet sich im lauschigen Gartenstuhl nun die Zeit, den überfälligen zweiten Teil der "Spießer"-Serie fertigzustellen:

      Zu den Grundsätzen ordnungsgemäßer Uhrensammlung gehört Paragraph 7: "In jede Sammlung gehört ein Wecker". Nun ist diese überaus nützliche Komplikation gar nicht so häufig anzutreffen. Im Prinzip gibt es nur zwei Uhrenmarken, die sich um diesen Bereich nachhaltig verdient gemacht haben: Vulcain und JLC - ja, ich weiß, es gibt auch AS Schild, Blancpain, Zenith und selbst GO hat da mal was zusammen gebastelt, aber diese beiden stechen deutlich raus, auch in der Vintage-Historie.

      Vulcain hat den Wecker zu absoluten Kernkompetenz auserkoren, damit leider nur wechselhaften Erfolg (aber dazu mehr an anderer Stelle...) - trotzdem hatte ich für die Cricket-Rasseln immer ein Faible. JLC hat sich den Luxus-Bereich im Wecker-Segment gesichert, was vor allem durch die überlegene Technik und den besseren Klang (Tonfeder) getrieben wird. Mit dem SIHH im Januar wurde mir wieder schmerzhaft in Erinnerung gerufen, dass ich zwischenzeitlich weckerlos war :(

      Das war nicht immer so, denn JLC-Wecker waren ein wichtiger Teil meiner Uhren-"Rock and Roll"-Phase: Die Master Compressor Memovox war die erste und blieb sehr lange (mehr als 6 Jahre):



      Die Uhr hat übrigens gerade erst im Marktplatz wieder den Besitzer gewechselt :lupe: . Auch nach 15 Jahren immer noch ein sehr cooles Design - schon ein Spalter, auch nicht besonders bequem zu tragen, aber ohne Zweifel eine Referenz, die auch in vielen Jahren noch die Aufmerksamkeit der Sammler haben wird.

      Mein zweiter JLC Wecker war dann noch extremer, eine Navy Seals Alarm:



      Diese Uhr war wirklich ein ziemlich extremer Versuch von JLC - allein schon durch das Branding und die Vorstellung der Uhr auf einem Truppenübungsplatz inkl. Rumballern mit automatischen Sturmgewehren :rolleyes: . Da ist es mal so richtig mit den Produktmanagern durchgegangen... - wie so oft bei JLC, hat sich das alles auch schnell wieder erledigt und die Kollektion wurde nach wenigen Jahren beerdigt. Ich hatte meine NSA übrigens damals von einem Pastor (!) in den Niederlanden gekauft - schon eine der überraschenderen Mensch-Uhren-Kombinationen in meiner Uhren-Historie...

      Cool war die Uhr trotzdem, aber so richtig gepasst hat sie zu JLC nicht. Denn in der landläufigen Wahrnehmung steht JLC für klassische, zurückhaltende Armbanduhren mit eigenen Kalibern - also die perfekten "Spießer"-Uhren ;) .

      Auch in diesem Segment habe ich mich hinreichend ausgetobt: Master Control Ultra Thin (1x alt, 1x neu), Master Control (gleich 2x in 37mm) und dazu noch eine Master Control Hometime. Alles tolle Uhren mit tollen Werken, aber: am Ende immer zu langweilig und so hat keine wirklich richtig lange bei mir ausgehalten.

      Nun musste also ein neuer Wecker her, JLC sollte es sein - aber was? Die neuen und alten Polaris haben mich nicht ganz überzeugt und sind mir am Ende auch einfach zu teuer. Die Deep Sea Alarm finde ich nicht schlecht, allerdings wäre mein Favorit die US-Version - und die ist leider quasi nicht zu bekommen bzw. nur schweineteuer. Die großen Lösungen (Grande Memovox/Reveil) fallen aus wegen zu teuer/zu dick. Bliebe die Master Control Memovox - aber die hat nach meinem Geschmack das alte Problem: Zu langweilig, zu glatt und zumindest neu auch schon fünfstellig.

      Und da stieß ich zufällig auf eine alte Bekannte, die Master Réveil. Bisher war die mir immer etwas zu alt - technisch (die Tonfeder klötert, die Datumsverstellung nervt) und optisch, da gerne mit vergilbtem Tritium plus "Wasserfleck" auf der Weckerscheibe. Doch dieses Exemplar war anders, da es vor einigen Jahren eine komplete Revision inkl. Tausch von Zifferblatt und Zeigerspiel erhalten hatte - alles neu, trotzdem mit dem Charme der alten, kleinen Version, inklusive Gold-Medaillon auf der Rückseite. Zudem lag sie preislich wieder in meinem Wohlfühl-Korridor, was ja bei gebrauchten JLC-Weckern seltener wird (die Polaris, Deep Sea etc. sind leider sehr preisstabil...).

      Und so habe ich zugeschlagen: Nach MCM und NSA nun der absolute "Spießer-Wecker" noch dazu mit 90er Jahre Technik - und was soll ich sagen: Passt :G ! Damit ihr euch auch ein Urteil bilden könnt, folgen nun bildliche Belege:













      Ich bin guter Hoffnung, dass ich nun eine dauerhafte Kombination von JLC + Master + Wecker gefunden habe :G - wobei Zuwachs in diesem Segment natürlich nie auszuschließen ist ;)

      Gruß,
      Christian
    • Ich glaube, ich bin auch ein Spießer !
      :G :G

      Oder, um einen anderen Werbeklassiker zu bemühen: Sind wir nicht alle ein bisschen Spießer? :G :G

      Tolle Uhren und vielen Dank für den Bericht!

      Grüße

      Wolfgang
      nach den Gesetzen der Physik kann die Hummel nicht fliegen - aber sie kümmert sich nicht drum und fliegt einfach :wink: :wink: :wink:

      “Get a German Car, a Swiss or German watch and an Italian suit. Once you have these, you are set.” – Anonymous
    • Threadstarter

      Danke, Danke :wink:

      Hier nochmal ein paar Bilder vom Arm - die Maße sind eigentlich ziemlich perfekt für eine doch etwas klassischere Uhr, man merkt die der Tonfeder geschuldete Dicke gar nicht so unbedingt:

















      Zu den technischen Details der Uhr über die verschiedenen Generationen habe ich bei unseren französischen Freunden eine ganz gute Übersicht gefunden:

      forumamontres.forumactif.com/t…r-lecoultre-master-reveil

      Dort finden sich auch einige Bilder vom Werk.

      Gruß,
      Christian
    • Wo bewegt man sich preislich - real - denn so bei einem gut erhaltenen Exemplar der letzten Generation?

      Die aktuelle Version führt JLC im Katalog ja nicht mehr (nur noch das blaue Boutique-Modell), in den Geschäften findet man sie aber noch und ein Konzessionär sagte mir die werde nicht eingestellt... Jedenfalls war mir die aktuelle Version immer etwas zu teuer (wenn auch ihr Geld wert!).

      Gruss
    • Threadstarter

      Ich würde denken, dass man da für eine junge Gebrauchte (komplett/guter Zustand) so zwischen 5-6k rechnen muss - wenn man Geduld hat, klappt es von privat wohl auch mit einer 4 vorne. Bei den frühen Exemplaren kommt man allerdings auch langsam einem Service näher und der ist bei einer Memovox leider sportlich bepreist. Bei den Reveil liegt man ungefähr 1k unterhalb der Memovox - wobei das Kal. 956 schon etwas ausgereifter ist, dafür fehlt dann z.B. das goldene Medaillon.

      In der Schweiz ist es vermutlich wie immer etwas teurer ;) .

      Gruß,
      Christian
    • u2112 schrieb:

      Ich würde denken, dass man da für eine junge Gebrauchte (komplett/guter Zustand) so zwischen 5-6k rechnen muss - wenn man Geduld hat, klappt es von privat wohl auch mit einer 4 vorne. Bei den frühen Exemplaren kommt man allerdings auch langsam einem Service näher und der ist bei einer Memovox leider sportlich bepreist. Bei den Reveil liegt man ungefähr 1k unterhalb der Memovox - wobei das Kal. 956 schon etwas ausgereifter ist, dafür fehlt dann z.B. das goldene Medaillon.

      In der Schweiz ist es vermutlich wie immer etwas teurer ;) .

      Gruß,
      Christian

      Danke :gut: Doch teurer als erhofft... Gruss
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