"Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden" - Teil 1

    • "Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden" - Teil 1

      Threadstarter

      Liebe Uhrenfreunde,

      ungefähr zur Zeit als dieser Werbespot im Fernsehen lief (für die ganz junge Generation :G , hier der Link youtube.com/watch?v=2pcE9nLqE2Y ), begann auch die ernste Phase meiner Uhrenleidenschaft - das Naseplattdrücken wurde abgelöst durch tatsächlich Käufe, in manchen Jahren mit erschreckender Frequenz...

      Auch damals gab es schon eine große "früher war alles besser"-Fraktion, die z.B. das schändliche Tun eines G. Kern verurteilte und den Niedergang einer einst heiß geliebten Marke beweinte - man merkt, Geschichte wiederholt sich doch, manchmal :zwitscher: .

      Vergisst man mal mein artuntypisches Faible für Taschenuhren, durchlief ich eine typische Einsteiger-Karriere - man fängt mit sicheren Sachen an (Speedy, SMP 300 etc.) und arbeitet sich mit den Jahren zu den Grenzen der Mehrheitsmeinung vor. Nun hat es bei mir nie zu Jeans-Hublots oder Käse-Mosers gereicht, aber immerhin kamen einige übergroße Klopper (JLC MCD oder IWC Big Pilot), Kasper-Editionen (JLC Navy Seals, IWC Top Gun oder Zenith Baumgartner) und allgemein als hässlich anerkannte Uhren (z.B. IWC Da Vinci Tonneau, JLC Squadra) - mit der Zeit hat man halt schon alles gesehen und braucht dann im zunehmenden Einerlei ein paar neue Reizpunkte.

      Dann kam ein größerer Bruch und ein signifikanter Teil der Uhren musste gehen, was überaus schwer fiel selbst bei Uhren, die nur ganz wenig Tragezeit hatten. Inzwischen gibt es wieder einen Nettozuwachs und die Möglichkeit, manche Kaufentscheidung der Vergangenheit nochmal kritisch zu hinterfragen. Erstaunlicherweise waren die überwiegende Mehrheit der Käufe zunächst Ersatzbeschaffungen für erlittene Verluste - eine BP FF kam genauso wieder wie eine IWC GST 3536. Doch als die schmerzhaftesten Lücken wieder geschlossen waren, blieb die Frage: was nun?

      Eine Möglichkeit ist ja immer die weitere Steigerung: Noch toller / exklusiver / teurer, gerade nachdem die wichtigen Lebensmeilensteine abgehakt sind (Frau / Kinder / Haus / Ziel-Job). Und so ging der Blick immer wieder Richtung ALS (Zeitwerk, Datograph...), Patek (Nautilus bis hin zur 5970...) und vergleichbare Optionen. Aber irgendwie bin ich nicht der Typ dafür, wirklich Riesensummen in eine Uhr zu investieren - zumal mich viele Modelle am Ende trotz aller Finesse doch nicht ganz überzeugt haben (Nautilus völlig überteuert, Datograph mit doofem Datum, etc.). Gleiches gilt für den "Mode-Uhren"-Bereich a la Hublot, AP Offshore etc.

      Andererseits: Was kriegt man heute noch (neu) in einem mittleren Preissegment (sagen wir mal, um 5k)? Wenig Spannendes, auch die letzten Uhrenmessen haben mich da nicht wirklich umgehauen. Da besinnt man sich ein wenig auf das, was die alten Fahrensleute immer predigen - heute genauso wie vor 10 Jahren: Klassische Uhren, normale Größen, interessante Werke/Komplikationen, zeitloses Design, Tradition ja, Hype nein. Komplett spießig eben :rolleyes: ;) ...

      Wenn ich dann mal so meine Historie durchschaue, lässt sich durchaus eine Tendenz zu eben jener Spießigkeit erkennen: Ganz klassische Uhren kamen immer wieder ins Haus, angefangen mit einer IWC Portofino, JLC Master Control/Ultra Thin, Nomos Orion bis hin zur VC Patrimony. Aber nur reduzierte Zwei-/Dreizeiger können es am Ende doch auch nicht sein. Deshalb stand am Ende die Erkenntnis: A. Uhren müssen irgendetwas spannendes haben, B. Ich fühle mich im Segment 3-4k am wohlsten und C. Ich bin inzwischen alt genug, um meine latent vorhandene Spießigkeit jetzt auch offen zu leben :jump: .

      Und so stand ich vor nicht allzu langer Zeit vor dem Schaufenster des Konzis meines Vertrauens (wobei ich da polygam bin...) und blickte in die Auslage der Inzahlungnahmen (heute ja als "certified pre-owned" der heißeste Scheiß, wie uns der oben bereits erwähnte Kollege GK eröffnet hat :blume: ). Dort lächelte mich ein Modell an, das ich tatsächlich schon seit vielen Jahren immer mal wieder im Hinterkopf hatte, das aber praktisch am (Gebraucht-)Markt nicht verfügbar war: Randgruppen-Marke, Randgruppen-Kollektion, Randgruppen-Komplikation und dann in dieser Form nur wenige Jahre am Markt: Die Glashütte Original Senator Kal. 100.

      Mit diesen Uhren wurde 2006 (also zu Zeiten des "Spießer"-Werbespots) die neue Kaliberfamilie 100 eingeführt, angefangen vom Zweizeiger bis hin zum Ewigen Kalender. In meinen Augen war das ein wirklich großer Wurf, zumal alle Modelle in Stahl verfügbar waren, zu durchaus fairen Preisen (gerade gebraucht). Die Senator Automatik war damals meine erste Uhr mit "Manufaktur"-Kaliber - und auch mein erster Kauf in der Watchlounge (man beachte die damaligen Preise :lupe: :schock:

      forum.watchlounge.com/index.ph…-senator-automatik-stahl/

      Hier hatte ich sie mal Jahre später vorgestellt:

      forum.watchlounge.com/index.ph…or-automatik-kaliber-100/

      Da die Bilder Dank Photobucket die Zeit nicht überlebt haben, hier nochmal kurz zur Erinnerung:



      Diese Uhr hat auch sämtliche Sammlungsbereinigungen überstanden, dagegen sind die Nomos, JLC Master oder die Patrimony alle nicht mehr da.

      Und wie kann man das jetzt steigern, mit all der Erfahrung der letzten Jahre? Eine Komplikation muss sein und da kommt man bei GO nicht am Panoramadatum vorbei - immer noch die beste Lösung in der Branche. Damit das dann nicht so verloren auf dem Zifferblatt herumsteht und gleichzeitig das weiß-graue Design farblich etwas aufpeppt, kommt noch eine zweite Komplikation dazu - eine Mondphase. So sieht es dann aus, wenn es komplett ist :jump: :












      Bereits 2013 wurden diese Modelle wieder abgelöst, fortan gab es die Zifferblätter nur mit gedruckten römischen Ziffern und einem gebläuten Retro-Zeigerspiel. Mir gefällt diese sachlich-modernere Variante mit Stabindices deutlich besser, auch was das Zeigerspiel angeht. Zur diesjährigen Baselworld gab es nun wieder eine Erweiterung der Kollektion ein wenig in die alte Richtung, aber z.B. ohne Leuchtzeiger und in einem größeren Gehäuse - meine hat noch klassisch 40 mm Durchmesser und ist mit 11 mm vergleichsweise flach.

      Die Uhr kommt direkt aus der Revision, was nach 10 Jahren durchaus angemessen war. Nun sieht sie aus wie neu und das Kal. 100 läuft exzellent - deutlich über der angegeben Gangreserve von 55h und die Abweichung von ca. +2s/Tag erfordert den Einsatz des Rückstellers quasi nicht :gut:

      Gruß,

      Christian


      P.S.: Warum "Teil 1"? Nun, da sind noch ein paar mehr "Spießer-Uhren" bei mir gelandet - aber dazu an anderer Stelle und zu anderer Zeit mehr ;) ...
    • :shout: Christian du Spießer


      ich finde die gezeigte auch super toll, zumal sie eine von den wenigen mit Leuchzeigern ist.

      Das Großdatum von GO ist nun mal der absolute Oberhammer, und richtig geil ist dann auch noch der blaue Mond :gut:

      Ich wünsche dir viel Spaß mit der ,,kleinen" und danke dir für die wiedermal gute Geschichte zu deinem Weg zu der Uhr.
      :mork:

      Volker
    • Herzlichen Glückwunsch!

      Tolle Marke, tolle Uhr.

      GO schafft es einfach immer wieder, komplett zeitlose Uhren in absoluter Spitzenqualität abzuliefern. Die Panomatic Lunar zählt für mich zu den Uhren mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis im gesamten Uhrensektor.

      Grüsse

      Wolfgang
      nach den Gesetzen der Physik kann die Hummel nicht fliegen - aber sie kümmert sich nicht drum und fliegt einfach :wink: :wink: :wink:

      “Get a German Car, a Swiss or German watch and an Italian suit. Once you have these, you are set.” – Anonymous
    • Threadstarter

      Danke, danke :wink:

      Und es stimmt schon, mit zunehmendem Alter steigt der Nutzwert des Panoramadatums enorm :lupe: - ich merke das jetzt auch schon langsam, dass man z.B. beim Ewigen ganz genau hinschauen muss, um auch wirklich die Zahlen ablesen zu können. Man wird nicht jünger... :rolleyes:

      Hier nochmal ein paar (mäßige) Bilder vom Werk:





      Zweizeiger:







      Gruß,
      Christian
    • Bumble bee schrieb:

      Die Panomatic Lunar zählt für mich zu den Uhren mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis im gesamten Uhrensektor.
      Hallo Wolfgang - das kann ich sofort unterschreiben! Neben der Pano wäre auch der aktuelle Ewige Kalender Senator Excellence zu nennen in Stahl. Allein das Panorama Datum ist eine Klasse für sich..
      Viele Grüße
      Thomas
    • GOFan schrieb:

      Bumble bee schrieb:

      Die Panomatic Lunar zählt für mich zu den Uhren mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis im gesamten Uhrensektor.
      Hallo Wolfgang - das kann ich sofort unterschreiben! Neben der Pano wäre auch der aktuelle Ewige Kalender Senator Excellence zu nennen in Stahl. Allein das Panorama Datum ist eine Klasse für sich..Viele Grüße
      Thomas
      Hi Thomas,

      meinst du den EK hier?



      Absolut genial, meiner Meinung nach!

      Grüße

      Wolfgang
      nach den Gesetzen der Physik kann die Hummel nicht fliegen - aber sie kümmert sich nicht drum und fliegt einfach :wink: :wink: :wink:

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