Meine Begegnung mit Buzz

  • Liebe Omega Gemeinde, liebe Raumfahrtenthusiasten.


    Vor drei Jahren war ich mal auf dem International Astronautical Congress (IAC) in Neapel. Gemütlich schlenderte ich über die angegliederte Ausstellung, vorbei am Stand der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Gerade hatte ich die erste Pizza Margherita des Tages verdaut, da sehe ich doch auf einem Hocker den Thomas Reiter, Astronaut und damals gerade ESA Direktor für bemannte Raumfahrt, sitzen. Oh, Thomas Reiter, denke ich, und wollte weitergehen. Ich bin nun schon haufenweise Astronauten begegnet, so selten sind die nun nicht. Da bemerkte ich, dass neben ihm ein älterer Herr saß, mit dem er sich unterhielt. Der Herr war ebenfalls mal Astronaut, und zwar einer der Pioniere der Raumfahrt! ;)
    Ich hielt kurz inne, bin dann aber weiter, weil ich ungern als Gaffer in der Gegend rumstehe. :lupe:


    Dem Programmheft nach sollte Buzz während des Kongresses an einer Podiumsdiskussion teilnehmen, genau zwei Stunden bevor ich mit meinem Vortrag dran war. Klar, dass ich mit dabei sein musste. Wann trifft man schon einen Mondfahrer, noch dazu von Apollo 11?
    Die Podiumsdiskussion fand in einem sehr kleinen, abgetrennten Bereich statt mit vielleicht 50 Sitzplätzen, ungefähr noch mal so viele Zuhörer mussten stehen oder drängten sich vor dem Eingang. Ich hatte Glück und konnte einen guten Sitzplatz ziemlich in der Mitte ergattern. Dabei sind die folgenden Bilder entstanden, die ich hier immer schon mal hochladen wollte. Heute musste ich spontan einen Urlaubstag nehmen, weil der Dachdecker bei uns zu hause werkelt, und da nutze ich einfach mal die Gunst der Stunde! ;)






    Auf dem nächsten Bild sitzt Buzz im Publikum, man kann seine Uhr sehen. Für die Omega-Spezis ;)




    Die Qualität der Bilder ist leider nicht so berauschend, und ich habe schon die Besten ausgesucht. Damals hatte ich noch eine Canon Ixus 75. Bei schlechten Lichtverhältnissen hat die lausige Fotos gemacht. Der Blitz war bei Motiven weiter als zwei Meter ebenfalls völlig unbrauchbar. Aber in dem Fall ist es das Motiv was zählt. Und die Erfahrung, einer beeindruckenden Person zu begegnen, die ihren Platz in den Geschichtsbüchern sicher hat.
    Wer weiß heute noch, wer gegen Ende des 15 Jahrhunderts Kaiser, König, Lieblingsmusiker oder -narr an den europäischen Höfen war. An Politiker und Superstars erinnern sich irgendwann nur noch Historiker. Aber jedes Kind kennt Christoph Columbus. ;)


    An den Titel der Diskussion kann ich mich nicht mehr erinnern. Neil Armstrong ist kurz zuvor gestorben, das war ein Thema. Mit dabei saßen zwei ein russischer, ein weiterer amerikanischer, sowie zwei europäische Astronauten. Es war eher so ein geplaudere aus dem Nähkästchen! ;)

  • Danke!


    Ja, Thomas Reiter ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Soweit ich weiß, ist er immer noch der Deutsche mit der längsten Flugerfahrung. Wenn man über mehrere Monate da oben auf engstem Raum mit seinen Kollegen eingesperrt ist, dann menschelt es doch gelegentlich. Habe schon mal gehört, das es mit Thomas Reiter sehr wenige bis keine Konflikte gegeben hat.


    Ach ja, wer ein ähnliches Erlebnis sucht, in gut einer Woche beginnt der IAC in Jerusalem. Habe gestern eine Email mit der Info bekommen, dass Buzz Aldrin wieder mit dabei ist! ;)

  • Sehr spannend! :gut: Buzz Aldrin hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Kirk Douglas, schon aufgefallen?


    Findest du? :lupe: Auf ein paar Bildern die ich über Kirk gegoogelt habe ist eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen. Aber in jungen Jahren war sein Kind zu ausgeprägt, und auf den aktuellen Bildern ist er schon fast 100! :opa:

  • Marcel, da Du vom Fach bist, erlaube ich mir, eine einfache Frage zu stellen: Warum gab es in den letzten 40 Jahren keine bemannten Mondlandungen mehr?


    Bereits gegen Ende des Apollo Programms ließ das öffentliche Interesse an Mondlandungen nach und die Kosten waren nur schwer zu rechtfertigen. Das Apollo Programm hat wohl etwa 20 Milliarden US Dollar gekostet - damals in den 1960er Jahren. Dass es überhaupt soweit gekommen ist, war wohl mehr eine Folge der damaligen weltpolitischen Umstände als der Bemühungen von Science Fiction begeisterter Enthusiasten, die den großen Schritt für die Menschheit zu sehen glaubten.


    Der Sputnik Schock erschütterte den Westen und machte deutlich, dass man technologisch ins Hintertreffen gekommen ist. Nicht nur, dass die Sowjets in der Lage waren die USA mit ballistischen Raketen innerhalb von einer Stunde ohne Vorwarnung zu bombardieren, es war auch ein Schmiss in der Volksseele. Daher war die Bereitschaft, alle Mittel in ein konkurenzfähiges Raumfahrtprogramm zu stecken, grundsätzlich in der breiten Öffentlichkeit vorhanden.
    Diese Demütigung der Amerikaner im Weltraum sollte noch andauern. Die Sowjets waren in allem schneller: Erster bemannter Raumflug, erster EVA (Ausstieg aus der Kapsel), etc. . Erst mit der Mondlandung hatten die USA ihr Selbstbewußtsein wiedergefunden.


    Heute würde ein bemanntes Mondprogramm ein Vielfaches von damals kosten. Die Schätzungen gehen so ab 100 Milliarden Dollar los. Das ist auch multinational nur schwer zu stemmen. Der Mond ist aus wirtschaftlicher Sicht unbedeutend und wissenschaftlich verspricht man sich in anderen Bereichen wichtigere Erkenntnisse.
    1 Kilogramm zum Mond und zurück zutransportieren kostet so an die 100.000 €. Selbst wenn fertig gegossene Goldbarren schon auf Paletten gestapelt zur Abholung auf der Mondoberfläche bereit liegen würde, es würde sich nicht lohnen sie dort abzuholen. ;)


    Als Student habe ich auf einer Exkursion mal einen Vortrag von Harrison Schmitt erleben dürfen. Schmitt ist mit Apollo 17 zum Mond geflogen und war der einzige Wissenschaftler (Geologe) unter den Astronauten. Es gibt in der Mondoberfläche anscheinend höhere Konzentrationen an Helium-3. Wenn die Kernfusion als Energiequelle technisch nutzbar wäre, würde es sich möglicherweise lohnen es dort abzubauen und als Brennstoff zur Erde zu transportieren. Das liegt aber noch auf unbestimmte Zeit in der Zukunft. ;)


    Die kurze Antwort: Zu teuer im Verhältnis zum wissenschaftlichen und ökonomischen Ergebnis! ;)

  • Heute würde ein bemanntes Mondprogramm ein Vielfaches von damals kosten. Die Schätzungen gehen so ab 100 Milliarden Dollar los. Das ist auch multinational nur schwer zu stemmen. Der Mond ist aus wirtschaftlicher Sicht unbedeutend und wissenschaftlich verspricht man sich in anderen Bereichen wichtigere Erkenntnisse.

    Die kurze Antwort: Zu teuer im Verhältnis zum wissenschaftlichen und ökonomischen Ergebnis! ;)


    Marcel, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. :gut: Mit dieser (oder einer ähnlichen) habe ich schon gerechnet, ein eventueller bemannte Mondflug wurde immer wieder aufgrund der angeblichen Unwirtschaftlichkeit verschoben und die Pläne dafür, zumindest seitens der Amerikaner, endgültig ad acta gelegt. Angesichts der existierenden Militärausgaben (knappe 1,5 Billionen US-Dollar für die fünfzehn "potentesten" Länder im Jahr 2014!) und/oder der fortgeschrittenen Technologien bin ich der Meinung, dass ein solches Projekt durchaus realisierbar gewesen wäre, wenn man es tatsächlich gewollt hätte.

  • Für die Interessierten, NASA stellt alle Bilder ins Netz


    Klick


    Danke für den Link! Ich habe mir früher noch den recht teuren Bildband Full Moon von Michael Light schenken lassen. Heute nur ein paar Klicks entfernt! ;)


    ichts der existierenden Militärausgaben (knappe 1,5 Billionen US-Dollar für die fünfzehn "potentesten" Länder im Jahr 2014!) und/oder der fortgeschrittenen Technologien bin ich der Meinung, dass ein solches Projekt durchaus realisierbar gewesen wäre, wenn man es tatsächlich gewollt hätte.



    Das sehe ich auch so. Es gibt eine wunderschöne Videozusammenstellung mit original Tonaufnahmen von dem Astronom Carl Sagan (Author von Contact, Jodie Foster), wo er das Erbe von Apollo herauskristallisiert. Dauert ca. Vier Minuten und lohnt anzuschauen. Am Ende erscheint eine Grafik, in der das World Military Budget dem World Space Budget gegenübergestellt wird!


  • Dann bin ich mit meinen Gedanken ja nicht allein. ;)




    Zwei Fragen, die mich immer beschäftigt haben und aufgrund dieser Diskussion wieder beschäftigen: 1.) Wer hat Neil Armstrongs "first step on to the moon" gefilmt? 2.) Wer zoomte und schwenkte die Kamera als die Landefähre abhebte und wie kam dann derjenige, der das tat, nach Hause?


    :rolleyes: